Eadweard Muybridge, Animal Locomotion, 1887. Public domain / CC0.
Daniel Adams, Kate Albrecht Fulton, Ingo Gerken, Anna Kaufmann, César Martins, David Möller, Pierre-Etienne Morelle, Ignacio Uriarte, Roberto Uribe Castro and Felix Leon Westner
Ausstellungseröffnung // Opening
Sa., 17.10.2026, 18 Uhr // 6 pm
Ausstellung // Duration
18.10 – 31.10.26
Do. – So., 14 – 19 Uhr //
Thur – Sun, 2 – 7 pm
Keep the Home Fires Burning entlehnt seinen Titel Mierle Laderman Ukeles’ Manifesto for Maintenance Art 1969!*, in dem sie die Grenze zwischen Kunst und alltäglicher Arbeit radikal hinterfragte. Sie lehnte die Trennung zwischen künstlerischer Produktion und der wiederkehrenden Arbeit ab, die nötig ist, um Körper, Haushalte, Institutionen und Gesellschaft zu erhalten. So machte Ukeles die Instandhaltungsarbeit selbst zur künstlerischen Praxis. Was gewöhnlich hinter den Kulissen blieb, wurde zum Werk.
Die hier versammelten Künstler*innen führen diesen Gedanken anhand einer wiederkehrenden Frage weiter: Wo beginnt künstlerische Arbeit, und wo endet die Arbeit, die sie ermöglicht und trägt?
Die Ausstellung richtet den Blick auf die materiellen Bedingungen, die künstlerische Praxis überhaupt erst ermöglichen. Für viele Künstler*innen entwickelt sich die eigene Arbeit parallel zu anderen Formen von Erwerbstätigkeit – Haushaltsführung und Fürsorge, Büroarbeit, Tätigkeiten im Servicebereich, technische und handwerkliche Arbeit, Lehre oder Verwaltung. Diese Tätigkeiten sichern den Lebensunterhalt, verbrauchen aber zugleich Zeit, prägen Körper und Routinen, erzeugen Wissen und hinterlassen Spuren in der künstlerischen Praxis.
In einem Kontext, in dem die Unterstützung für künstlerische und kulturelle Produktion zunehmend instabil wird, gewinnen diese Bedingungen besondere Dringlichkeit. Wie finden Künstler*innen Zeit, Kunst zu machen? Was geschieht mit der künstlerischen Praxis während der Stunden, die mit „etwas anderem“ verbracht werden? Welches Wissen wandert vom Arbeitsplatz ins Atelier?
Keep the Home Fires Burning bringt Künstler*innen zusammen, deren Arbeiten aus dieser durchlässigen Grenze zwischen künstlerischer Praxis und den beruflichen Kontexten hervorgehen, die sie tragen. Anstatt Erwerbsarbeit als Hindernis, biografische Fußnote oder bloßes Mittel zum Überleben zu betrachten, versteht die Ausstellung sie als Quelle von Materialien, Methoden, Wissen und Perspektiven – und als möglichen Raum für Widerstandsfähigkeit und Unabhängigkeit.
Für Künstler*innen, die in Städten wie Paris, New York, Berlin oder London leben, bedeutet der Lebensunterhalt häufig, sich zwischen Ateliers, Büros, Bars, Werkstätten, Schulen, Baustellen, Kulturinstitutionen und unzähligen anderen Arbeitsorten zu bewegen. Diese Orte ermöglichen mehr als ein Einkommen: Sie bringen Bilder, Gegenstände, Gesten, Geschichten, Begegnungen und Erinnerungen hervor.
Indem diese Materialien und Wissensformen in den Ausstellungsraum gelangen, stellen sie die Grenzen dessen infrage, was als künstlerische Praxis gilt. Keep the Home Fires Burning richtet den Blick auf die Stunden, Jobs, Fähigkeiten, Routinen und Formen von Arbeit, die gewöhnlich außerhalb des Ausstellungsrahmens bleiben – und möglicherweise genau sind das, was ein Leben und eine unabhängige künstlerische Praxis überhaupt erst möglich macht.
Kuratiert von César Martins und Roberto Uribe Castro
* “Maintain the change; protect progress; defend and prolong the advance; renew the excitement; repeat the flight; show your work—show it again; keep the home fires burning.” Mierle Laderman Ukeles, Manifesto for Maintenance Art 1969! Proposal for an Exhibition “CARE“