1986 – 2026
Von den Rändern her Zentren bauen
Festigkeit der Improvisation*
Die Premiere einer Videodokumentation über den Künstler Reinhold Gottwald.
Samstag, 14. März 2026
ab 19 Uhr
Videodauer: 30 min / Einleitende Worte um 20 Uhr / Beginn: um 20:30 Uhr (on time) / Tür ab 19 Uhr
Eine Dokumentation über künstlerische Unabhängigkeit, räumliche Wahrnehmung und gelebte Zeitgeschichte.
Seit vier Jahrzehnten bewegt sich der Künstler Reinhold Gottwald in einem Spannungsfeld, das er selbst geschaffen hat: zwischen künstlerischer Praxis, kuratorischer Arbeit und einem unerschütterlichen Engagement für unabhängige Kunstorte. Schon in den frühen 1990er Jahren entschied er sich bewusst gegen die etablierten Wege des Kunstbetriebs und für Orte, an denen Kunst und Gesellschaft unmittelbar aufeinandertreffen: selbstverwaltete Räume, experimentelle Plattformen, offene Strukturen. Er war dort aktiv, wo Neues entstand, wo – im wahrsten Sinne des Wortes – Grenzen verschoben wurden und wo Kunst nicht repräsentiert, sondern gelebt wurde. Diese Haltung prägt sein Werk bis heute. Auf sein umfangreiches Engagement als Projektraumbetreiber, Kurator und künstlerischer Leiter, das weit über 200 Ausstellungsprojekte umfasst, wird in dieser Dokumentation nur am Rande eingegangen. Zu diesem Bereich existiert bereits eine Vielzahl anderer Quellen. Im Mittelpunkt des rund 30-minütigen Videos steht die eigene künstlerische Arbeit. Die Dokumentation führt erstmals Raum- und Videoinstallationen, Zeichnungen, Grafik, Performance und deren Bedeutung in einem zusammenhängenden Kontext vor. Reinhold Gottwalds künstlerische Sprache ist geprägt von der Auseinandersetzung mit Raum. Seine Raum- und Videoinstallationen öffnen Situationen, in denen Betrachterinnen sich selbst neu verorten. Der Raum erscheint dabei nicht allein als architektonisches oder physikalisches Phänomen, sondern als Metapher für das Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen. Alles ist Einladung zur aktiven Wahrnehmung.
Die Dokumentation ist auch ein Zeitdokument, geprägt von den Brüchen und Umbrüchen der letzten Jahrzehnte: Tschernobyl, die Wiedervereinigung, die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und vieles mehr.
Eine Ära ist nun abgeschlossen.
40 Jahre freie Kunst bedeuten vier Jahrzehnte künstlerischer Arbeit, die sich nicht vereinnahmen lässt. Reinhold Gottwalds Werk ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass künstlerische Integrität eine zeitgenössische Notwendigkeit ist.
Reinhold Gottwald lebt und arbeitet in Berlin-Neukölln. Sein Studium absolvierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zentrale Aspekte seiner Praxis sind die Untersuchung räumlicher Wahrnehmung sowie die Integration digitaler Bildmedien in architektonische Situationen. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen präsentiert und sind häufig ortsspezifisch angelegt.
Während viele ihn vor allem als Betreiber von Projekträumen und als Ausstellungsmacher kennen, lohnt sich der Blick auf sein künstlerisches Werk – ein Werk, das konsequent jenseits des Mainstreams entstanden ist und sich gerade dadurch als bemerkenswert eigenständig erweist.
Der Satz „Von den Rändern her Zentren bauen – Festigkeit der Improvisation“ entstammt einem Gedicht, das 1985 von Professor Franz-Erhard Walther veröffentlicht wurde und sich auf die Kunst von Reinhold Gottwald bezieht.